planloses Häkeln... oder wie aus einem Schaf ein Dackel wird oO

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Frische Feigen für Vampire ^^

...hab ich auch grade wiedergefunden.

Diesen Text hab ich geschrieben als ich in der 11. Klasse war, wir sollten als Deutschhausaufgabe ein Essay im Stil von Walter Benjamins "Frische Feigen" schreiben, alternativ eine Erörterung des Originaltextes.

Ich entschied mich erst für die Erörterung, bekam dafür dann auch meine 1 *hust* *prahl* , musste mir dann aber knapp 30 sterbenslangweilige Variationen des Essay von den anderen Schülern anhören... "frische Erdbeeren", "türkischer Honig", "Streuselkuchen"... Da beschloss ich, doch noch ein Essay über ein Geschmackserlebnis zu schreiben, das mal ein bissel anders ist...

 

Cupiditas

Das Kanalufer lag still im Mondlicht, einzelne Sterne spiegelten sich glitzernd im Wasser. Auf der anderen Seite des Kanals schwammen zwei weiß leuchtende Schwäne, den Kopf in das engelsgleiche Federkleid geschoben.
Doch ich achtete nicht auf die Schönheit und Reinheit der Nacht in New Orleans, nervös lief ich über die Brücken und hielt Ausschau, Ausschau nach neuem Blut. Ich hatte schon zu lange keines mehr zu mir genommen, und so wurde mir langsam kalt. Ich zog meinen schwarzen Mantel enger um mich und beschleunigte meine Schritte.

Da nahm ich auf einmal einen leichten Eisengeruch in der Luft war und hörte in einer Gasse am anderen Ufer ein Geräusch. Mein Kopf schoss herum, noch in der Bewegung duckte ich mich und schlich zur Brücke vor mir. Als ich sie überquerte, noch immer unsichtbar für das sterbliche Wesen, dessen Geruch immer stärker wurde, verlängerten sich meine Eckzähne, mein Mund öffnete sich bereits leicht und an meinen Händen traten die Adern hervor, die nach frischem Blut schrieen.
Ich hatte die Brücke überquert. Im Schutze der Schatten unter den alten Häusern schlich ich lautlos weiter, bis ich nur noch wenige Meter hinter der jungen Frau stand, die meine Gedanken vernebelt hatte und mich vor Gier lechzen ließ.
Das Leeregefühl in meinem Körper und das Verlangen nach den noch warmen Saft des Lebens wuchsen und wurden übermächtig, als ich hinter sie schlich, die Arme schon erhoben, sie festzuhalten, den Mund zu einem Maul geöffnet, in ihren Hals zu beißen...
In Blitzesschnelle schoss ich vor, umschloss sie und rammte meine Zähne in ihre weiße Haut, spürte ein leichtes Knacken und schmeckte nun endlich die Süße ihres Lebens. Wie durch einen Schleier hindurch hörte ich sie kurz aufschreien, hörte die Schwäne im Wasser ihre Flügel öffnen und panisch davonfliegen, hörte die Kirchenglocken schlagen, doch ganz klar hörte ich das Schlagen des menschlichen Herzens. Eine laute Trommel, mein Herz eine weitere. Das Blut schoss heiß und mit einem süßen Geschmack nach Eisen, Furcht und Angst in meinen Mund, umspielte meine Zunge, bis ich es hastig hinunterschluckte, um noch mehr Blut Platz zu machen. Hinter meinen geschlossenen Lidern tanzten bunte Flecken, in meinen Ohren ein schrilles Dämonengelächter. Ihr Körper wand sich in meinem eisernen Griff, doch ich bemerkte es kaum. Die Schläge der beiden Trommeln vereinten sich, klangen wie Donner in meinem Schädel wider, als ich ihr warmes Blut in meinem Körper pulsieren fühlte. Ich wollte stöhnen, doch ich wagte es nicht, aus Angst, auch nur einen Tropfen verlieren zu können. Ein wenig ihres ausklingenden Lebens floss in mich hinein. Meine Finger, meine Hände, meine Arme erwärmten sich langsam, während ihr Körper kälter wurde und langsam in sich zusammensackte. Ihr Seele hatte ich ihr schon längst genommen, doch ich saugte noch immer aus vollen Kräften, um auch noch das letzte Tröpfchen des schwarzroten Blutes zu bekommen. Meine Trommel schlug allmählich lauter und übertönte die andere, bis sie nicht mehr zu hören war.
Dann ließ ich sie fallen. Ihr Körper war blass, an ihrem Hals traten zwei runde Bisswunden hervor.

Der letzte Schlag der Kirchenglocke verhallte in der kalten Nachtluft. Ich wischte mir den letzten Tropfen Blut von den Lippen, sah ihn einen Moment im Mondlicht glänzen und leckte ihn genussvoll von meinem Finger. Dann kniete ich nieder, legte dem Mädchen eine Rose in die erstarrte Hand und schloss ihre im Tode grotesk weit aufgerissenen und doch wunderschönen Augen.

Ich erhob mich, drehte mich um und ging langsam zurück, die Schwäne schwammen ein wenig entfernt und hatten ihre Köpfe wieder unter ihren Flügeln verborgen.


7.11.08 22:02
 


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